3540-Kollektiv Kommentar: Befreiung von Auschwitz
Ein Kommentar von dem, uns Unterstützenden, 3540-Kollektiv
Heute, vor 81 Jahren, wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Auschwitz steht wie kein anderer Ort für die industrielle Organisation von Mord, für die systematische Entrechtung, Entmenschlichung und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden, von Sinti:zze und Rom:nja, von politischen Gegner:innen, von queeren Menschen, von Menschen mit Behinderungen und vielen anderen, die nicht in das rassistische und antisemitische Weltbild des Nationalsozialismus passten.
An diesem Tag gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern an ihr Leiden, an ihr Leben, an ihre Namen – und an das unfassbare Ausmaß der Verbrechen, die im Namen einer mörderischen Ideologie begangen wurden. Erinnerung ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist eine politische Verpflichtung.
Denn Gedenken ohne Konsequenzen bleibt leer. „Nie wieder“ darf kein ritualisierter Satz sein, der einmal im Jahr gesprochen und dann wieder vergessen wird. „Nie wieder“ muss Haltung bedeuten. Es muss heißen: Nie wieder Nationalsozialismus. Nie wieder Faschismus. Nie wieder Rassismus. Nie wieder Antisemitismus. Nie wieder Völkermord. Nie wieder Apartheid. Nie wieder das Wegsehen, das Schweigen, das Relativieren.
Gerade heute, in einer Zeit, in der rechte und faschistische Kräfte weltweit erstarken, in der autoritäre Politik wieder salonfähig wird und Menschenleben zunehmend entlang von Nationalität, Herkunft oder politischer Nützlichkeit bewertet werden, ist diese Haltung dringender denn je. Erinnerung verpflichtet dazu, aktuelle Gewaltverhältnisse zu benennen – auch dann, wenn es unbequem ist.
Mit Blick auf die Situation in Gaza stellen wir uns klar auf die Seite der Opfer: auf die Seite der Zivilist*innen, der Kinder, der Menschen, die zwischen militärischer Eskalation, Blockade und kollektiver Bestrafung zerrieben werden. Menschliches Leid ist nicht relativierbar. Es ist nicht verhandelbar und es kennt keine „richtige“ oder „falsche“ Nationalität.
Die Kritik an der israelischen Regierung, an ihrer Militärpolitik und an der systematischen Verletzung von Menschenrechten ist kein Antisemitismus. Antisemitismus richtet sich gegen Jüdinnen und Juden als Menschen. Antifaschistische Kritik richtet sich gegen Staaten, Regierungen und Ideologien, die Gewalt, Unterdrückung und Entmenschlichung produzieren. Diese Unterscheidung ist zentral – und sie zu verwischen dient nur jenen, die jede Form von Solidarität mit Unterdrückten delegitimieren wollen.
Aus der Geschichte von Auschwitz folgt keine bedingungslose Loyalität gegenüber staatlicher Gewalt. Aus ihr folgt die Pflicht, überall dort widersprechen, wo Menschen entrechtet, bombardiert, vertrieben oder kollektiv bestraft werden. Wer „Nie wieder“ ernst meint, darf es nicht selektiv anwenden.
Gedenken heißt Verantwortung übernehmen – für die Vergangenheit, für die Gegenwart und für die Zukunft. Es heißt, sich konsequent gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus zu stellen, egal in welcher Form sie auftreten. Und es heißt, solidarisch zu sein mit allen Menschen, die heute unter Krieg, Besatzung und Gewalt leiden.
Nie wieder ist jetzt.



