"Jedes Jahr der gleiche Scheiß"
Nazis instrumentalisieren Dresden für ihren Opfermythos und der Staat schaut nicht nur zu, er räumt ihnen auch noch den roten Teppich aus
81 Jahre nach der Bombardierung Dresdens ist die Innenstadt kein Ort der Mahnung, sondern der Geschichtsrevision. jähr für Jahr wird der 13. Februar und die Tage um ihn herum, von rechtsextremen und ihren Paralmentischen Vertretern der AfD, Freien Sachen, Der Heimat und aus dem BSW missbraucht, um die deutsche Schuld umzudeuten, den Holocaust zu reativieren und sich selbst als Opfer einer angeblich einzigartigen “alliierten Vernichtung” zu inszinierten. Auch 2026 ist Dresden erneut zum Schauplatz dieses revisionistischen Spektakels geworden.
Rund 1.200 Neo-Nazis marschierten durch die westliche Innenstadt von Dresden. Was sie dort verbreiteten, war kein gedenken, sondern Propaganda. Von der offen antisemitiaschen Parole des sogenannten “Bombenholocaust” bis hin zur geschichtsverfälschenden Gleichsetzung “Gestern Dresden - heute Gaza". Es ist die alte widerwärtige Strategie der extremen Rechten, deutsche Täterschaft ausblenden, das singuläre Verbrechen der Nazis zu relativieren und das eigene nationale Kollektiv zur eigetlichen Leidenschaftsgemeinschaft zu verklären.
Dass die Teilnehmerzahlen im Vergleich zu den späten 2000-Jahren gesunken sind, darf jedoch nicht beruhigen. Damals kamen bis zu 8000 Neo-Nazis aus ganz Europa, Dresden war einer der größten rechtsextremen Aufmarschorte des Kontinents. Heute sind es zwar nur nicht gut tausend, doch ideologisch hat sich rein gar nichts verändert.
Beteiligt waren unter anderem die jungen Nationalisten (die Jugendorga der Partei “Die Heimat” ehm. NPD) sowie offen Nationalsozialistische Strukturen wie Balaclava Graphics, geführt von dem Rechtsextremen Benjamin Moses. Anmelden des Marsches war erneut Lutz Giesen, ehemals in einigen Kameradschaften aktiv, heute ist er Kommunalpolitiker der kleinstpartei “Freie Sachsen”. Der Sächsische Verfassungsschutz stufte den Aufmarsch folgerichtig als rechtsextremistisch ein.
Hier sind die Bilder von Baumi der mich in Dresden begleitete →
Besonders perfide, der von Jürgen Gansel geprägte Begriffe “Bombenholocaust” prangert wieder auf unzähligen Transpis. eine gezielte Provokation deren Ziel klar ist. Die Einzigartigen und unglaublich widerlichen Verbrechen der Nationalsozialisten auch sprachlich zu relativieren. Dass ist kein Missverständnis, kein Einzelfall sondern bewusster Geschichtsrevisionismus.
Dem Neo-Nazis Aufmarsch stellte sich erneut das Bündnis Dresden WiEdersetzen entgegen, Rund 4000 Menschen beteiligten sich am Gegenprotest darunter Antifaschist:innen, Gewerkschafter:innen zivilgesellschaftliche Initiativen und Überlebendenverbände wie der VVN-BdA.
Doch der Widerstand richtet sich nur gegen die Nazis auf der Straße, sondern auch gegen das, was viele Aktivist:innen seit Jahren als Krise der Dresdner Erinnerungskultur beschreiben. Denn das offizielle Gedenken der Satdt baut weiterhin auf einer Opfererzähliung auf, die Strukturell anschlussfähig für rechte Narrative ist. Während die Stadt auf Lichterketten, Lieder singen und ritualisierte Betroffenheit setzt, bleibt die Auseinandersetzung mit der eigenen Täterschaft am linken Rand liegen. Dass Dresden Gauhauptstadt war. Dass von hier aus Deportationen organisiert wurden. Dass Deutsche Bomber zuvor Strafte wie Coventry in Schutt und Asche legten, all das tritt hinter der Erzählung vom “eigenen Leid” zurück.
Anne Herpertz Sprecherin von Dresden WiEdersetzen bringt es auf den Punkt.
„Wie in keiner anderen deutschen Stadt ist das kollektive Erinnern so stark vom eigenen Leid geprägt.“
Was sich am Rande des Aufmarsches abspielte, ist ein Skandal und leider kein neuer. 2200 Polizist:innen, darunter Einheiten aus mehreren Bundesländern und der Bundespolizei riegelten die Route mit Hamburger-Gittern, Räumpanzern und Wasserwerfern ab. Nicht um den Aufmarsch aufzuhalten, nein wo denkst du hin, um ihn durchzusetzen und dass auch mit massenhafter Gewalt.
Durchbruchversuche wurden mit Pfefferspray, Schlägen und Würgegriffen beantwortet. Mehrfach kam es zu brutalen Übergriffen auf Gegendemonstrant:innen. Tritte ins Gesicht, blutige Nasen, grundloser Pfefferspreayeinsatz in die angemeldeten Demonstrationen. Die Polizei spricht später von “Angriffen auf Beamte”. Verschwiegen wird dabei aber gern, dass sich die Polizist:innen sehr oft selbst mit dem Pfefferspray ausgeknipst haben. Aber dass ist ein altbekanntes Narrativ, aus dem eigenen Versagen wird angeblich linke Gewalt konstruiert. Das ist nicht nur ein Vertrauensbruch sondern auch politisch Brandgefährlich.
Innenminister Armin Schuster von der CDU, stellte sich reflexartig hinter die Polizei und sprach von einer „niedrigen Einschreitschwelle“. Was in der Praxis bedeutet haben wir gesehen. Neo-Nazis marschieren, Antifaschist:innen werden niedergeknüppelt.
Am Ende des Tages stehen 24 Ermittlungsverfahren, fast ausschließlich gegen Menschen aus dem linken Spektrum. Verletzte Demonstrant*innen tauchen in den Polizeiberichten überhaupt nicht auf. Die massive Gewalt wird also mal wieder ganz verschwiegen.
Dass Journalist*innen von großen Medienhäusern diese Polizeimeldungen oft ungeprüft übernehmen, ist Teil des Problems. Wer nicht vor Ort war, übernimmt staatliche Narrative und macht sich damit zum Verstärker von Desinformation. Wir waren vor Ort. Wir haben die Gewalt gesehen. Und wir sagen klar: Das war kein neutraler Polizeieinsatz, das war politische Repression.
Dresden steht exemplarisch für einen gesamtgesellschaftlichen Konflikt. Wollen wir erinnern, um zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen? Oder erinnern wir, um uns selbst zu entlasten?
Der Holocaust war ein singuläres Verbrechen. Er lässt sich nicht relativieren, nicht „einordnen“, nicht mit deutschen Bombenopfern verrechnen. Wer das dennoch tut, offen wie die Neo-Nazis oder indirekt durch staatlich gepflegte Opfermythen, öffnet rechten Ideologien Tür und Tor und breitet somit den Nährboden für ein neues drittes Reich.
Dresden WiEdersetzen fordert deshalb eine Verschiebung des Erinnerungsfokus, hin zu Gedenktagen wie dem 27. Januar, dem 9. November und dem 21. Januar, dem Tag der ersten Deportationen jüdischer Menschen vom Alten Leipziger Bahnhof. Erinnerung darf nicht bequem sein. Sie muss weh tun, sonst ist sie wertlos.
Der Neonazi-Aufmarsch in Dresden 2026 zeigt, die extreme Rechte ist geschwächt, aber nicht besiegt. Der Staat ist nicht neutral, wenn er Nazis marschieren lässt und Antifaschist*innen zusammenschlägt. Und eine Erinnerungskultur, die deutsches Leid zentriert, bleibt anfällig für rechte Instrumentalisierung.
Nie wieder ist kein Lied, keine Kerze, keine Menschenkette. Nie wieder heißt: Nazis blockieren. Polizeigewalt benennen. Geschichtslügen widersprechen. Und genau das haben Tausende in Dresden getan. Trotz Repression. Trotz Gewalt. Trotz eines Staates, der lieber Ordnung schützt als Menschen.



