WiEdersetzen Dresden - Was ist wichtig zu wissen
Das Bündnis will den geplanten Neonazi-Aufmarsch mit Tausenden Aktivist:innen blockieren
Jedes Jahr im Februar wird Dresden zum politischen Brennpunkt. Auch 2026 zeigt sich erneut, wie umkämpft Erinnerung, Geschichte und öffentliche Räume sind. Rund um den Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar mobilisieren rechte Akteur:innen, bürgerliche Gedenkformate und ein breites antifaschistisches Spektrum. Der Konflikt ist alt, die Fronten sind es auch.
Bereits am 13. Februar versuchen rechte Strukturen tagsüber auf dem Altmarkt Präsenz zu zeigen. Bekannte Gesichter der extremen Rechten wie Marcus Fuchs werden erwartet. Der Altmarkt ist kein Zufall: Er gilt seit Jahren als symbolischer Kristallisationspunkt für den rechten Opfermythos Dresdens. Diese Erzählung relativiert die nationalsozialistischen Verbrechen und deutet Täter:innen zu Opfern um.
Am Abend präsentiert sich ein anderes Bild. Ab 17 Uhr beginnt die offizielle Menschenkette rund um die Altstadt. Dabei werden Reden des Oberbürgermeisters und der Rektorin der TU Dresden gehalten, und es wird gemeinsames Händchenhalten praktiziert. Dieses Ritual dient der Distanzierung – sowohl von den Nazis als auch von einer politisch eindeutigeren Auseinandersetzung.
Gleichzeitig formieren sich jedoch Demonstrationen, die diesen Abstand nicht akzeptieren. Demos von der TU Dresden und aus der Neustadt ziehen über zentrale Verkehrsachsen in Richtung Altmarkt. Dort findet von 18:15 bis 22 Uhr die Kundgebung „Herz statt Hetze“ statt, die mit Film, Musik und politischen Beiträgen bestückt ist. Der Anspruch ist eindeutig: Den Raum nicht kampflos den Rechten überlassen.
Der eigentliche Konflikttag ist der 14. Februar. Für den frühen Nachmittag ist erneut ein Trauermarsch der Neonazis angekündigt – einer der größten europaweit. Angemeldet sind 1.000 Teilnehmende, doch die Erfahrung zeigt, dass es meist deutlich mehr werden.
Das Bündnis „Dresden Widersetzen“ kündigt massive Gegenproteste an, um den Aufmarsch zu blockieren, auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams wie Sitzblockaden. Unterstützt wird das Bündnis von Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Studierendenvertretungen und antifaschistischen Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet. Mehrere tausend Gegendemonstrierende werden erwartet.
Unseren Bericht aus dem letzten Jahr findet ihr hier:
Dresden stellt sich quer: Tausende gegen rechten „Trauermarsch“
Jedes Jahr versuchen Neonazis, den Jahrestag der Bombardierung Dresdens für ihre geschichtsrevisionistische Propaganda zu nutzen. Doch auch 2025 ließ die Stadt sie nicht ungestört marschieren: Tausende Gegendemonstrant*innen stellten sich dem rechten Aufmarsch entgegen – mit Blockaden, Protesten und lauten „Nazis raus!“-Rufen. Während die Polizei den rechten Marsch schützte, ging sie mit massiver Gewalt gegen antifaschistische Protestierende vor.
Schon im Vorfeld sorgte das Verhalten der Behörden für Kritik. Während den Neonazis ihre Route faktisch sicher zu sein scheint, werden Gegenproteste auf Abstand gehalten. Eine mögliche Auflage: Versammlungen in bis zu 500 Metern Entfernung vom Startpunkt der Nazis. Diese politische Entscheidung sichert den Rechten faktisch Bewegungsfreiheit und marginalisiert antifaschistischen Protest.
Das Wochenende wird von massiven Verkehrseinschränkungen begleitet. Der Hauptbahnhof soll zeitweise gesperrt werden, der Fernverkehr endet an umliegenden Bahnhöfen, und es kommt zu Schienenersatzverkehr. Besonders brisant: Ab dem Mittag des 14. Februar könnten linke, als solche gelesene Personen im Zugverkehr zwischen Neustadt und Hauptbahnhof gezielt kontrolliert oder an der Weiterfahrt gehindert werden.
Eine angekündigte Allgemeinverfügung kriminalisiert erneut Vermummung, ein bekanntes Mittel zur präventiven Schwächung von Protest. Wasserwerfer stehen bereit, obwohl es in den vergangenen Jahren bei den Blockaden keine verletzten Polizist*innen gab. Dies dient weniger der Gefahrenabwehr als der Abschreckung.
Der Dresdner Februar zeigt jedes Jahr aufs Neue: Gedenken ist kein neutraler Akt. Wer den 13. Februar von seiner Geschichte trennt, überlässt ihn jenen, die ihn missbrauchen. Neonazis marschieren nicht aus Trauer, sondern aus Kalkül. Sie wollen Geschichte umdeuten, Verantwortung verwischen und ihre Ideologie normalisieren.
Dass sich ihnen auch 2026 Tausende entgegenstellen, ist kein Randphänomen, sondern antifaschistische Notwendigkeit. Ob Menschenkette, Kundgebung oder Blockade – entscheidend ist, dass der öffentliche Raum nicht kampflos preisgegeben wird.
Dresden steht wieder vor der Frage, auf welcher Seite es stehen will. Die Antwort darauf wird nicht in Sonntagsreden gegeben, sondern auf der Straße.
Hier noch ein paar wichtige Infos für Teilnehmer*innen:
- Hier findet ihr die Meldung der Stadt Dresden: klick mich
- Hier findet ihr die Seite von Dresden WiEdersetzen: klick mich auch
- Und hier findet ihr eine Karte über den Geltungsbereich der Allgemeinverfügung und der Demonstrationen. (WICHTIG: Das ist keine Aktionskarte)








